Die zentralen Themen des SEP-B

Hier finden Sie die Übersicht der sechs zentralen Themenbereiche zur beruflichen Bildung in Frankfurt am Main, die im Zuge der Dialogkonferenz im März 2015 gemeinsam mit den Beteiligten herausgearbeitet wurden. Diese sechs Themen sind die inhaltliche Grundlage im Prozess zur Schulentwicklung für berufliche Schulen.

Schulgröße, Schulprofile und -standorte

Als Ergebnis des Schulentwicklungsprozesses sollen die berufsbildenden Schulen ein hochwertiges, differenziertes und den qualitativen und quantitativen Anforderungen genügendes Bildungsangebot bereitstellen. Dies geschieht auch durch die Bündelung von Aufgaben, den Ausbau der Kooperation und die Nutzung von Synergieeffekten. Dabei wird die hohe Qualität von beruflichen Angeboten aufgrund von Mehrzügigkeit und Bündelung affiner Berufe erhalten, gewährleistet und gesteigert. Die Planung der Standorte soll auch dazu führen, dass Dependancen künftig entbehrlich werden und den Raumbedarfen aller Frankfurter Schulen Rechnung getragen wird.

Ausstattung, Räume und IT

Die Vielfalt und Verschiedenartigkeit der Ausbildungsberufe, die in Frankfurt am Main die Berufsschullandschaft charakterisieren, bedürfen einer zukunftsfähigen Ausrichtung. Sowohl die praktischen Inhalte als auch die pädagogischen Konzepte unterliegen ständigen Veränderungen. Das Ziel ist daher, die Berufsschulen in Frankfurt am Main baulich so zu gestalten, zu sanieren und  Instand zu setzen, dass ein gutes und zeitgemäßes Lernumfeld vorhanden ist.

Die verschiedenen Schwerpunkte der beruflichen Schulen stellen unterschiedliche Anforderungen an die Gebäude und deren Ausstattung und müssen die Schulen in die Lage versetzen, den zeitgemäßen Anforderungen an ihren Bildungsauftrag gerecht zu werden. Hierzu bedarf es der schrittweisen konzeptionellen Weiterentwicklung von Raumprogrammen, welche die Erfordernisse eines individualisierten und zugleich team- und projektorientierten Lernens bedarfsgerecht und schulspezifisch aufgreifen und sich an unterschiedliche pädagogische Konzepte anpassen lassen.

Informationstechnologie und Medien gehören heute zum regulären Schulalltag genauso wie zum privaten Alltag der Schülerinnen und Schüler dazu. Der technischen Ausstattung in den beruflichen Schulen kommt in diesem Feld eine besondere Rolle zu, die sich von anderen Schulformen unterscheidet, da IT-Kompetenz zentraler Gegenstand beruflicher Bildung ist und für die Ausbildung von Fachkräften einen hohen Stellenwert hat. Es ist wichtig, dass Arbeitssituationen, auf die Auszubildende in den Betrieben treffen, in der beruflichen Schule gut nachvollzogen werden können. Damit die beruflichen Schulen für diese Herausforderung gut ausgestattet sind, über schnelle Internetanbindungen verfügen und mit der technologischen Entwicklung in Hard- und Software mithalten können, ist es notwendig, die bestehenden IT-Standards und Konzepte weiterzuentwickeln, an dem sich auch Beschaffungs-, Erneuerungs- und Wartungsprozesse orientieren. Die Nutzung von mobilen Endgeräten soll in diesem Zusammenhang einen besonderen Schwerpunkt bekommen.

Übergänge

Der Übergang von der Schule in die Ausbildung bzw. in den Beruf und den Arbeitsmarkt gestaltet sich für viele junge Menschen kompliziert und langwierig. Daher gibt es ein vielfältiges Spektrum an Bildungsgängen, mit denen die Chancen von Jugendlichen auf einen Ausbildungsplatz verbessert werden sollen. Die Bildungsgänge in diesem Bereich vermitteln keinen vollqualifizierenden Berufsabschluss. Ziel dieser Maßnahmen ist es, Jugendliche auf eine Berufsausbildung vorzubereiten, indem eine berufsfeldbezogene Grundbildung sowie allgemeine Kompetenzen vermittelt werden. Einige Bildungsgänge ermöglichen das Nachholen von allgemeinbildenden Schulabschlüssen. Die Bildungsgänge, die zum Übergangsbereich gezählt werden, sind sehr heterogen und unterscheiden sich stark hinsichtlich ihrer Zugangsvoraussetzungen und Zielgruppen.

Bei allen Bestrebungen zur Optimierung von Übergängen gewann der Ansatz der „Kommunalen Koordinierung“ an Bedeutung, deren Ziel die „kommunal verantwortete Bündelung und Abstimmung von Aktivitäten, die Herstellung von Transparenz und die Entwicklung und Anwendung gemeinsam vereinbarter Qualitätsstandards für den Bereich des Übergangs von der Schule in Beruf und Arbeitswelt“ (Weinheimer Erklärung 2007 ) ist. Im Fokus stehen die gelingende Kooperation mit den allgemeinbildenden Schulen und zwischen den Schulformen der beruflichen Schulen sowie  die Nutzung möglicher Synergieeffekte zwischen den einzelnen Schulen.

Unterstützende Systeme

Die Stadt Frankfurt fördert seit vielen Jahren Schülerinnen und Schüler in allen beruflichen Schulen mit sozialpädagogischen Angeboten und Maßnahmen zur beruflichen Orientierung und Ausbildungsvorbereitung sowie der Prävention und Intervention bei Gefahr des Abbruchs der Ausbildung. Hauptziel ist es, durch Berufswegeplanung und passgenau auf die Zielgruppe abgestimmte sozial-pädagogische Angebote, Schülerinnen und Schüler der beruflichen Schulen für Ausbildung und Arbeit fit zu machen, zur Erhöhung der Ausbildungsbereitschaft und Ausbildungserfolge bzw. eine erfolgreiche Integration in den Arbeitsmarkt oder Weiterbildung zu garantieren. Die Angebote richteten sich an Jugendliche mit besonderem Förder- und Integrationsbedarf, die die Bildungsgänge zur Berufsvorbereitung (BzB), die Berufsfachschule (BFS) oder Klassen für Seiteneinsteigerinnen und Seiteneinsteiger  besuchen.

Der Beratungsbedarf in diesen Unterstützungssystemen ist in den letzten Jahren gestiegen, vor allem im Bereich der Schülerinnen und Schüler mit multiplen Problemlagen, zudem wird es an beruflichen Schulen eine steigende Anzahl von jungen Menschen mit Migrationshintergrund geben. Aus diesem Grund ist es wichtig die vorhandenen Unterstützungssysteme zu stabilisieren und weiter zu entwickeln, vor allem mit dem Blick auf die Zielgruppe der Berufsschülerinnen und Berufsschüler.

Vielfalt, Integration und Teilhabe

Eine Haltung, die Menschen in ihren Lebenssituationen sensibel wahrnimmt, deren Sichtweisen anerkennt und die schulische und berufliche Bildung als Erweiterung von Handlungschancen und Realisierungsmöglichkeiten begreift, ist die Grundlage aller Bildungsprozesse. Dies setzt die Anerkennung der Fähigkeit jedes Einzelnen als ein Individuum voraus, das prinzipiell über entsprechende Fähigkeiten verfügt, deren Entfaltung mit den Mitteln der Pädagogik gefördert und unterstützt werden kann. Die in der UN-Behindertenrechtskonvention verankerte uneingeschränkte und gleichberechtigte Teilhabe von Menschen mit Behinderungen an Bildung ist zu verwirklichen. Inklusion in der beruflichen Bildung soll in Zusammenarbeit der Schulen mit den Ausbildungsbetrieben, den Arbeitsagenturen und weiteren Akteuren im Bereich der Bildung und Beschäftigung erfolgreich gestaltet werden.

Auch für zugewanderte junge Menschen kann ein hoher Bedarf passenden Angeboten konstatiert werden und es ist zu erwarten, dass dieser Bereich zukünftig weiter an Bedeutung gewinnt. Diese jungen Menschen bringen die unterschiedlichsten Lebenswelten mit und verfügen nicht oder nur in geringem Maße über Deutschkenntnisse.

Es gilt ein bedarfsgerechtes Angebot für die vielfältigen Interessengruppen in den beruflichen Schulen vorzuhalten und kontinuierlich weiterzuentwickeln. Ziel einer inklusiven (beruflichen) Bildung muss es folglich sein, dass nach Möglichkeit alle Jugendlichen mit Förderbedarf eine betriebliche oder vollzeitschulische Ausbildung in einem anerkannten Ausbildungsberuf absolvieren oder zumindest für eine berufliche Tätigkeit und die Integration in den Arbeitsmarkt qualifiziert werden.

Ansehen und Wertschätzung der beruflichen Schulen

Die beruflichen Schulen haben einen wichtigen Bildungs- und Qualifizierungsauftrag. Das Wirken der beruflichen Schulen und das breite Spektrum an Angeboten ist in der Öffentlichkeit nicht immer so bekannt wie bei allgemeinbildenden Schulen. Für den Schulträger und die Bildungsverwaltung sind die allgemeine und die berufliche Bildung gleichwertig. Eine gute und wertschätzende Darstellung ließe sich noch dadurch verbessern, dass alle direkt und indirekt wirkenden Akteure die Stärken der beruflichen Schulen gezielter herausstellen und im Rahmen des Schulentwicklungsprozess die Aufgaben, Leistungen und Ziele öffentlichkeitswirksam thematisiert werden. Darüber hinaus sollte gemeinsam ein langfristiges Konzept, das den Bekanntheitsgrad der beruflichen Schulen erhöht und die Wahrnehmung in der Öffentlichkeit befördert, entwickelt werden.